Rondo Magazin 30.08.2025 Manuel Brug
Man kann das Vergehen der Zeit sicher auf unangenehmere Art wahrnehmen als am guten Altern von Xavier de Maistre. Der französische Harfenist ist ein schöner Mann, der aber auch zudem sehr gut zu reifen scheint. Man sieht ihm dabei schließlich regelmäßig via Album-Cover zu. 15 Jahre ist es jetzt her, dass der heute 51-Jährige seine Soloposition bei den Wiener Philharmonikern zugunsten einer illuster sich entwickelnden Solokarriere aufgegeben hat. Und die beschert uns sein aktuell zehntes Sony-Album.
Das geht mal wieder zurück in die Barockzeit (obwohl er Bach ungern spielt) und widmet sich Georg Friedrich Händel. Von dem gibt es nur ein, freilich besonders populäres Originalwerk, das Konzert in B-Dur, op. 4. Das hatte de Maistre bisher noch nicht aufgenommen, hier erklingt es in einer eigenen, durchaus komplex verzierten, aber nie überladenen Fassung. Dazu mischen sich die eleganten Festival Strings Lucerne unter Daniel Dodds als Nicht-Original-Ensemble weich und strahlend. Des Weiteren folgen aus der Feder von De-Maistre-Schülern schlüssige Harfen-Bearbeitungen der großen Orgelkonzerte in F-Dur und d-Moll, die Händel als Pausenzwischenspiele für seine Opern ganz auf seine manuellen Fähigkeiten zugeschnitten hatte. Und wir hören die Passacaglia aus der Cembalosuite g-Moll HWV 432 für Harfe solo, ein „Tema con variazioni“ für Harfe solo; sowie das Menuett in g-Moll, HWV 434/4, bei dem zusätzlich Julien Quentin am Klavier begleitet.
Das alles ist filigran und geradlinig, perlend schön und temperamentvoll abwechslungsreich gespielt. Die Bearbeitungen tun der Musik keine Gewalt an. Und doch kann man die Qualitäten dieser Sammlung besser würdigen, wenn man sie sich in kleineren Tranchen anhört. Also lieber scheibchenweise Harfen-Händel für Gourmets – als hintereinanderweg für Gourmands.